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Test: Kobo Glo

Derzeit ist es nicht möglich, den E-Book-Reader direkt über Kobo zu beziehen. Die Seite verweist lediglich auf die offiziellen Bezugsquellen. Erhältlich ist er aber auch in verschiedenen anderen Online-Shops.

Wir haben uns für die schnellere Möglichkeit entschieden, den Reader im Geschäft zu erwerben, anstatt ihn online zu ordern. Den Kobo gibt es eigentlich in vier verschiedenen Farben, das von uns aufgesuchte Fachgeschäft hatte aber nur die Farbe schwarz vorrätig, so dass wir uns spontan für diese Farbe entschieden haben. 😉

Werbebild des Kobo Glo

Verpackung und Inbetriebnahme

Man erhält den Kobo in einer schick gestalteten Papschachtel, die das Gerät ausreichend schützt und das wenige Zubehör und ein wenig Papier, die Garantieerklärung und eine Kurzanleitung zur Inbetriebnahme, enthält. Wie auch bei der Konkurrenz gewohnt, ist das mitgelieferte Zubehör sehr spartanisch und besteht nur aus einem USB-Kabel zum Aufladen des Gerätes am PC. Will man es damit an einer Steckdose aufladen, muss man einen Adapter selbst erwerben.

Nach dem Anschalten wird automatisch ein Update eingespielt, was einige Minuten dauert, und danach wird man aufgefordert das Gerät einzurichten. Es wird zwar die Option geboten, die Einrichtung am PC vorzunehmen, die aber wohl keine weiteren Vorteile bietet. Wir haben die Einrichtung deshalb am Kobo vorgenommen, die auch hier schnell erledigt ist. Benötigt wird zwingend ein Account bei Kobo, den man entweder neu einrichten kann oder man verwendet einen bereits vorhandenen. Eine Anmeldung mit einem Facebook-Account ist optional. Bezahlinformationen werden an dieser Stelle noch nicht benötigt, sondern erst beim ersten Kauf im Kobo-Shop abgefragt, so dass an dieser Stelle nur eine Mailadresse und ein Passwort nötig sind. Weiterhin werden die Einstellungen für das WLAN abgefragt, um am Gerät den Shop nutzen zu können bzw. gekaufte Bücher auf den Kobo herunterladen zu können.

Auf dem Gerät selbst ist anfangs eine Bedienungsanleitung enthalten, die aber auch im Netz als PDF heruntergeladen werden kann, sowie einige Leseproben.

Bereits an dieser Stelle fällt die mit viel Liebe gestaltete Oberfläche positiv auf. Mehr dazu später.

Technik

Erstmal zu den technischen Grunddaten des Kobo Glo. Er ist 157 mm lang, 114 mm breit und 10 mm dick. Der Kobo ist damit etwas kleiner als sein direkter Konkurrent, der Kindle Paperwhite, aber unbedeutende 0,9 mm dicker. Außerdem wiegt der Kobo mit seinen 185 g ein klein bisschen weniger als der Kindle Paperwhite, was aber nur beim direkten Vergleich der beiden Geräte wirklich auffällt.

Das schlichte schwarze Aussehen kann gefallen, ein wirklicher Hingucker ist er aber nicht. Darauf kommt es aber bei einem E-Book-Reader nicht wirklich an. Auf der Rückseite befindet sich eine rutschfeste Gummierung, so dass sich der Kobo gut anfassen und halten lässt. Dass einem das Gerät aus den Fingern flutscht muss man auch bei ihm nicht befürchten.

Das folgende Bild zeigt beide Geräte im direkten Vergleich.

 Der Bildschirm hat eine Auflösung von 1024×758 Pixel auf einer Diagonale von 6 Zoll und kann 16 Graustufen darstellen. Damit hat der Kobo exakt die gleiche Bildschirmauflösung und -größe wie der Kindle Paperwhite und der Bookeen Frontlight HD und man kann getrost davon ausgehen, dass auch die gleichen eInk-Display verbaut werden.

Das besondere am Kobo Glo ist natürlich die Hintergrundbeleuchtung, so dass keine zusätzliche Lichtquelle fürs Lesen mehr notwendig ist. Und diese Beleuchtung ist wirklich gelungen und nach Augenschein auch wesentlich gleichmäßiger als beim Kindle Paperwhite. Nur am unteren Rand sind einige kleinere Lichthöfe erkennbar, die aber beim Lesen nicht stören und von Kobo innerhalb der Bücher geschickt durch einen dunklen Balken kaschiert wird, der die Seitenzahl des Buches anzeigt. Das folgende Bild zeigt den unteren Bereich einer Buchseite mit eingeschalteter Beleuchtung und hell geschaltetem Balken für die Seitenzahlen.

Einzelne Kritiken im Netz, dass auch bei geringer Stufe die Beleuchtung viel zu hell ist, konnten wir nicht nachvollziehen. Eventuell wurde dieses Problem durch das anfangs eingespielte Update mittlerweile behoben.

Auch wenn die Beleuchtung an sich sehr gut ist, wirkt sie bei Dunkelheit leicht bläulich und hat den offensichtlichen Nachteil, dass bei eingeschaltetem Licht der Kontrast von Bildern und Schrift deutlich schlechter wird, und dass das Schwarz merklich ins Graue tendiert. Dies haben die Techniker von Amazon besser gelöst, wo auch bei eingeschalteter Beleuchtung schwarz weiterhin schwarz ist.

Standardmäßig wird der Kobo mit 2 GB Speicher geliefert, was deutlich mehr ist als beim Kindle Paperwhite, außerdem bietet der Kobo einen zusätzlichen Micro-SD-Slot für eine Speichererweiterung auf bis zu 32 GB an. Der Ehrlichkeit halber muss man aber sagen, dass im Bereich der E-Book-Reader die Größe des Speichers oberhalb einer bestimmten Grenze (die man etwa mit 1GB angeben könnte) im Gegensatz zum PC oder einem Tablet eher von geringem Interesse ist, da normale E-Books eine Größe im Bereich von hunderten KB bis einigen MB haben, so dass man auch mit nur einem 1 GB unzählige E-Books auf das Gerät laden kann. Die Speichererweiterung kann deshalb eher als Featuritis bezeichnet werden und hat wenig praktischen Nutzen, es sei denn man tauscht häufig E-Books über Speicherkarte aus.

Der Kobo Glo wird über einen Touchsreen bedient, der auf einer Infrarot-Technologie beruht, ähnlich dem Kindle Touch bzw. Kobo Touch. Ein Unterschied in der Bedienungsgeschwindigkeit zum kapazitiven Screen des Kindle Paperwhite und dem des Kindle Touch ist nicht erkennbar, bei allen muss man mit etwas Ruhe und Gelassenheit tippen und wischen. Wahre Geschwindigkeitswunder sind sie alle nicht.

Der Kobo Glo verfügt über einige Extra-Funktionen. So gibt es ein Schach- und ein Sudoku-Spiel, einen Notizblock und das Gerät verfügt über einen Web Browser, der sich halbwegs zum Surfen im Netz eignet. Wie aber auch bei der Konkurrenz ist er eher als Notbehelf anzusehen, um z. B. einen Link in einem E-Book aufzurufen.

Bedienung

Die Oberfläche des Kobo ist eines der Highlight des Gerätes und kann sich wirklich sehen lassen. Während die Kindles eher einen spröden sachlichen Charme versprühen, ist die Bedienoberfläche des liebevoll gestaltet und gut durchdacht. Die Bedienelemente haben ein leicht verspieltes schickes Design, die sich an die Weboberfläche anlehnt und ab und zu grinst einen auch ein als Kobo Reader verkleideter Smiley an.

Der Kobo Glo verfügt über einige Extra-Einstellungen, so dass sich das Gerät komfortabel auf die favorisierten Leseeinstellungen einstellen lässt: Man kann sich unter zehn verschiedenen Schriften die passende aussuchen. Die in einem E-Book mitgelieferte Herausgeberschriftart versteckt sich dabei unter der Bezeichnung Standard. Darüber hinaus lassen sich Zeilen- und Randabstand, Schriftstärke und -schärfe individuell einstellen. Zwar sagt Kobo, dass die Schriftarten für den E-Reader optimiert worden seien, wir mussten aber anfangs etwas herumexperimentieren, um eine gute Schrifteinstellung zu finden. Die Schriften waren standardmäßig zu dünn eingestellt, was aber eventuell auch an dem verringertem Kontrast bei eingeschaltetem Licht liegen kann.

Es gibt die Möglichkeit, sich den genauen Anfang der neuen Seite des gedruckten Buches anzeigen zu lassen. Hierbei erfolgt die Anzeige der neuen Seite leider überlappend mit den letzten Buchstaben des letzten Wortes in dieser Zeile. Die Seitenzahl als auch das dargestellte Wort des Textes sind noch erkennbar, doch es ist ein wenig mühselig, da man sich das Wort eher aus dem Zusammenhang erschließen muss, als das man es tatsächlich lesen kann.

Da die Seitenzahl auch am unteren Ende des Display angegeben wird, kann man diese Funktion auch deaktivieren, bzw. genau dann einschalten, wenn man eine genaue Referenz zum gedruckten Exemplar benötigt.

Zusätzlich bietet das Gerät bietet die Möglichkeit, festlegen, wie oft der Seitenrefresh durchgeführt werden soll, innerhalb von sechs Stufen wahlweise bei jeder Seite bis zu jeder sechsten Seite.

Eher als Schnickschnack kann man die eingebaute Lese-Meilenstein-Funktion, Reading Live genannt, bezeichnen. So bekommt man Auszeichnungen wenn man das erste Buch angefangen hat zu lesen, das erste Buch ausgelesen hat oder eine Nacht durchgelesen hat usw. usf. Diese „Erfolge“ darf man dann auch seinen Freunden auf Facebook und Twitter mitteilen. Wer das mag, kann es natürlich gerne nutzen, wer nicht, kann es zumindest abschalten.

Die Geschwindigkeit beim Blättern ist zufriedenstellend. Leider fehlt eine Möglichkeit kapitelweise zu blättern, z. B. über eine Wischgeste. Ob Tippen oder Wischen, man gelangt immer zur nächsten bzw. vorhergehenden Seite. Löblich ist die Moglichkeit zwischen drei Alternativen wählen zu können, wie groß und wo sich die Bereiche zum Antippen für Weiter-, Zurückblättern und Aufruf der Optionen befinden (siehe folgendes Bild).

Die Bereiche für das Vor- und Zurückblättern lassen sich aber nicht komplett vertauschen, was aber nur ein einsamer Wunsch des Testers sein könnte, da er häufig den Reader mit der linken Hand hält und sich wünscht, dass man dann auch mit dem dazugehörigen Daumen weiterblättern könnte. Das wäre eine Anliegen an alle Hersteller und nicht nur an Kobo.

Mittlerweile als Standard hat sich die Möglichkeit herausgebildet, Bücher mit Anmerkungen zu versehen, Textstellen über Soziale Netzwerke anderen mitzuteilen und Wörter im Wörterbuch nachzuschlagen oder zu übersetzen. All das kann natürlich auch der Kobo Glo.

Der bereits oben erwähnte Balken für die Anzeige der aktuellen Seite hat den Nachteil, dass dadurch doch einige Zeilen weniger pro Seite angezeigt werden können. Komplett abschalten lässt sie sich leider nicht.

Liste der zuletzt gelesenen Bücher

Coverdarstellung eines Regals

Bücher lassen sich komfortabel in verschiedene Kategorien sortieren, die hier als „Regale“ bezeichnet werden und auf der Startseite der persönlichen Bibliothek werden dem Nutzer die fünf zuletzt gelesen Bücher in Coverdarstellung dargeboten. Geht der Reader in den Standby-Modus oder er wird in diesen geschaltet wird auf dem Schlafbildschirm das Cover des gerade gelesenen Buches und der Lesefortschritt angezeigt.

Durch die an die Webseite angelehnte Bedienungsoberfläche passt sich der eigene Kobo-Shop nahtlos in das Gerät ein. Wie auch auf dem Gerät selbst ist die Darstellung schick und funktional. Der Shop hat aber einige gravierende Nachteile. Die Suche im Shop ist eine einzige Katastrophe. Sucht man nach dem Namen eines Autors, so erscheinen zwar auch die Werke dieses Autoren, jedoch nicht alle. Das Suchergebnis unterscheidet sich z. B. dadurch, ob man den kompletten Namen selbst eingibt oder den Namen aus der Vorschlagsliste, die Kobo nach jedem eingegebenen Buchstaben einblendet und aktualisiert, auswählt. Und es kann einem passieren, dass ein gewünschter Buchtitel bereits in der Vorschlagsliste auftaucht. Wählt man aber diesen aus, wird dennoch nichts gefunden.

Ebenso ist die Liste der Suchergebnisse nicht nach der Sprache des E-Books filterbar. Das gilt im Übrigen auch für die Darstellung der eigentlich recht gut eingeteilten Kategorien. Sich durch eine endlos lange Liste fremdsprachiger Bücher zu quälen, animiert nicht wirklich zum Stöbern und Kaufen. Also wenn man schon bei Kobo kaufen möchte, dann sollte man dies besser über den PC machen. Dort ist zwar die Suche genauso katastrophal, aber man kann wenigstens die Suchergebnisse nach Sprachen filtern.

Und wenn man über die Suchfunktion erst einmal etwas gefunden hat, darf man es auch nicht sofort kaufen, wie man auf dem Bild sieht. Nein, man muss erstmal eine Leseprobe herunterladen und darf dann kaufen. Was sicherlich als Kundenservice gut gemeint ist,jedoch nervt, wenn man genau dieses Buch haben möchte.

Und wenn man sich einmal bei Amazon in den diversen Listen wie „Kunden kauften auch“, „Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen“, „Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?“ und was es noch so alles gibt, um uns zum Kaufen verleiten, aber dann doch nach einigem Stöbern und Reinlesen genau das richtige Buch gefunden hat, wird all diese Funktionen im Kobo-Shop vermissen, auch wenn man diese bei Amazon oftmals insgeheim verfluchen könnte.

E-Books und deren Darstellung

Wie alle Nicht-Amazon-Geräte ist das Hauptformat der E-Book das sogenannte EPUB-Format. Amazon verwendet hingegen ein eigenes ähnliches Format. Für den Kopierschutz wird das DRM-System von Adobe verwendet, was wir aber im Zusammenhang mit dem Kobo nicht getestet haben. Vorteil des Kobo und der meisten anderen Reader die das Adobe DRM verwenden, ist dabei, dass man E-Books im EPUB-Format mit DRM auch bei anderen Plattformen kaufen kann, um sie dann auf dem Kobo lesen zu können.

Bei unseren Tests mit den von uns erstellten E-Books sind uns einige Anzeigeprobleme beim Kobo aufgefallen. Lädt man E-Books per USB auf den Reader, stellt er diese oftmals nicht korrekt dar, obwohl sie vollkommen standardkonform sind und von anderen Readern korrekt angezeigt werden. Bestimmte Formatierungsanweisungen werden vom Kobo Glo schlicht ignoriert. So werden Überschriften und Bilder nicht wie festgelegt zentriert oder rechtsbündig angeordnet. Dieses Verhalten kann man in der Kobo App für Android abschalten und dort als „Kobo Layout verwenden“ einstellw. Diese Möglichkeit bietet der Kobo Glo leider nicht.

Nach einigem Stöbern in diversen Foren für E-Books haben wir herausgefunden, dass Kobo die E-Books unterschiedlich darstellen soll, je nachdem ob man sie über den Kobo-Shop erworben oder manuell auf den Reader geladen hat. Offenbar konvertiert Kobo die E-Books für seinen Shop zusätzlich und liefert diese als sogenannte KEPUB-Dateien an den Reader. Was genau die Unterschiede zwischen dem von uns erstellen E-Book und dem dann von Kobo nachbehandelten E-Book sind und ob unsere E-Books nach der Auslieferung von Kobo korrekt angezeigt werden, haben wir erstmal nicht genauer untersucht. Aber nach Aussagen verschiedener Nutzer in den Foren werden E-Books im KEPUB-Format und im originale EPUB-Format vom Reader unterschiedlich behandelt. Was der Sinn dieser Unterscheidung sein soll ist völlig unklar.

Zum Glück lassen sich die E-Books so konvertieren, dass sie auch mit dem Kobo korrekt angezeigt werden. Dafür kann man die Open-Source-Software Calibre verwenden und das E-Book mit dem Ausgabeprofil für die Kobo Reader konvertieren. Wer sich jetzt wundert, ja auch ein bereits vorhandenes EPUB wird also wieder in ein EPUB umgewandelt, aber eben mit Anpassungen für den Kobo.

Ob das folgende Darstellungsproblem auch mit den eben geschilderten Absonderlichkeiten zusammenhängt, vermögen wir nicht zu sagen, aber die Seitenumbrüche des Kobo sind häufig mehr als willkürlich. Auch wenn an einer Stelle kein Zeilen-, Absatz- oder Seitenumbruch festgelegt wurde, wird dennoch einfach ein kompletter Seitenumbruch eingebaut. Das folgenden Bild zeigt das Problem.

 Der Kobo bricht hier ohne ersichtlichen Grund mitten in einem Wort und ohne dass hier etwas festgelegt wurde, die Seite komplett um und setzt den Text auf der nächsten Seite fort. Eventuell spielt hier die eingebaute Silbentrennung ein wenig verrückt. Das Problem taucht aber gerne auch am Absatzende auf, offenbar wenn der darauffolgende Absatz länger als eine Bildschirmseite ist. Dann beginnt dieser erst auf der nächsten Seite.

Fazit

Aus technischer Sicht ist der Kobo vollkommen empfehlenswert und dem Kindle Paperwhite gleichwertig und in einigen Bereichen, z. B. Bedienoberfläche, Beleuchtung sogar ein bisschen überlegen. Wer also seine Bibliothek sowieso über den PC verwaltet, z. B. mit Calibre, und auf den Kobo-Shop nicht angewiesen ist, kann beruhigt zu diesem ausgereiften und mit guter Software und vielen Optionen ausgestatteten Reader greifen.

Wer aber mit dem Reader auch seine Bücher kaufen möchte, sollte sich vielleicht erstmal bei der Konkurrenz umsehen, denn das Einkaufen macht mit dem Kobo Glo, und vermutlich auch mit allen anderen von Kobo angebotenen Readern, denn der Shop ist der gleiche, nicht wirklich Spaß.

Test: Kindle Paperwhite

Zwei Tage vor dem angekündigten Erscheinungstermin am 22. November kam der neue Kindle Paperwhite von Amazon bei uns an. Über unsere ersten Eindrücke vom neuen Kindle wollen wir in diesem Beitrag, der zugleich der erste Beitrag in diesem Blog ist, berichten.

Werbebild des Paperwhite von Amazon.

Lieferung

Wie auch die anderen Kindles wird der Paperwhite in einer einfachen Pappschachtel geliefert, die speziell auf das Gerät abgestimmt ist und den Kindle für den Transport ausreichend schützt. Mitgeliefert wird USB-Kabel für den Anschluss an einen Computer und zum Aufladen, sowie zwei dünnen Heftchen, die aber nur eine einfache Anleitung zum Aufladen und die Garantiebestimmungen enthalten.

Möchte man den Kindle unabhängig von einem Computer aufladen, bedarf es noch eines zusätzlichen Adapters, der gesondert käuflich erworben werden muss.

Der Paperwhite zeigt im Auslieferungszustand ein Bild an, das darauf hinweist, wie man das Gerät anschaltet. Nach dem Anschalten und dem Hochfahren des Gerätes werden, ähnlich wie auch bei den Vorgängermodellen, erstmal die notwendigen Daten für das WLAN abgefragt. Daran anschließend wird ein kurzes Lernprogramm durchlaufen, das leider nicht abgebrochen werden kann.

Auf dem Gerät selbst befindet sich eine Bedienungsanleitung, die alle notwendigen Informationen enthält, die aber auch bei Amazon als PDF heruntergeladen werden kann.

Nach dem Auspacken hält man ein Gerät in der Hand, dass sicherlich keinen Designpreis gewinnen wird, aber mit seiner schwarzen Farbe und dem schlichteren Aussehen doch wesentlich schicker daherkommt, als seine Vorgänger. Der Paperwhite hat eine Höhe von 169mm und eine Breite von 117mm und ist damit unwesentlich größer als der Kindle 4. Mit einer Dicke von 9,1mm ist er ein klein wenig dicker als der Kindle 4, aber 1mm dünner als der Kindle Touch.

Mit einem Gewicht von 213g ist der Paperwhite genauso schwer wie der Kindle Touch und problemlos auch über längere Zeit zu halten, ohne dass einem Hände oder Arme lahm werden. Er liegt gut in der Hand, ohne dass man Angst haben muss, dass einem das Gerät aus den Fingern flutscht, weil diese vielleicht nass oder klamm sind. Dazu tragen auch die rutschfeste Rückseite und die etwas verbreiterten Ränder bei.

Technik

Die wichtigste Neuerung beim Paperwhite ist natürlich die Hintergrundbeleuchtung. Neben der praktischen Möglichkeit, damit auch im Dunkeln zu lesen, wird zugleich auch der Kontrast erhöht, so dass der Hintergrund bei normaler Beleuchtung nicht mehr dreckig-grau, sondern fast weiß ist, wie es der Name verspricht. Die Helligkeit ist in 24 Stufen verstellbar und das ist auch notwendig, denn im Dunkeln sind die hellsten Stufen für die Augen eher unangenehm. Hier empfiehlt sich eher eine mittlere Helligkeitsstufe.

Die Helligkeitsverteilung ist fast makellos, außer am unteren Ende, wo sich die vier LEDs befinden. Hier ist die Verteilung etwas ungleichmäßig, was jedoch beim Lesen kaum stört. Ein gewisser Wow-Effekt nach dem Einschalten war auf jeden Fall vorhanden. Es ist schon verblüffend, mit wie wenigen LEDs diese gleichmäßige Ausleuchtung erreicht werden konnte. Die bisherigen Lösungen für den Touch und den Kindle 4 mit in Schutzhüllen eingebauten Lampen, kann man im Vergleich hierzu getrost als Notbehelf bezeichnen.

Die LEDs im Rand des Paperwhite, die für die Beleuchtung sorgen, sind gut erkennbar.

Die zweite wichtige Verbesserung ist die Erhöhung der Auflösung des Displays. Der Paperwhite hat im Vergleich zum Kindle 4 und zum Touch, die jeweils 800 x 600 Pixel haben, eine Auflösung von 1024 x 758 Pixeln. Schriften werden damit schärfer dargestellt und besser lesbar, Bilder zeigen mehr Details und bei gleicher Schriftgröße werden im Vergleich mit dem Kindle 4 und dem Kindle Touch ein paar Zeilen mehr auf dem Bildschirm dargestellt.

Die gleiche Seite aus „Reisebericht aus Ägypten“ von Heinrich Brugsch, links auf dem Kindle Paperwhite, rechts auf dem Kindle 4. Deutlich erkennbar die bessere Darstellung von Details und Verläufen im Bild beim Paperwhite.

Nach dem Touch ist der Paperwhite nun das zweite Gerät von Amazon, das mit einer Touch-Bedienung daher kommt. Allerdings beruht diese nicht mehr auf Infrarottechnik, stattdessen wird die gleiche Technik wie in modernen Smartphones bzw. Tablets verwendet. Dadurch konnte der Rand rund um das Display wieder auf ca. 1mm verringert werden.

Laut Amazon soll der Akku trotz Beleuchtung ähnlich lange halten wie seine Vorgänger, was natürlich auf Grund der Kürze der Zeit nicht überprüft werden konnte. Doch nach einigen Stunden des Lesens und Herumspielens mit dem Paperwhite ist die Füllstandsanzeige des Akku tatsächlich nur geringfügig zurückgegangen.

Bedienung

Wenn man den Paperwhite nach dem Auspacken ein paar Minuten liegen lässt ohne ihn zu bedienen, beginnt das Gerät ein aktuelles Update der Software herunterzuladen und zu installieren. Diese Version trägt die Nummer 5.3.0. Alle weiteren Informationen beziehen sich deshalb auf diese Version. Die Änderungen zur ursprünglich installierten Version kann man bei Amazon nachlesen. Die für den Anfang wichtigste Änderung dürfte vermutlich die Möglichkeit sein, die Empfehlungen von Amazon auf dem Homescreen abzuschalten.

Womit wir auch bei der wichtigsten Änderung bei der Bedienung im Vergleich zu den Vorgängermodellen wären. Alle Übersichtsseiten zeigen nun wahlweise die Coverbilder der auf dem Paperwhite gespeicherten Bücher an und nicht mehr nur dröge Textlisten.

Das ist natürlich etwas schicker und erhöht den Spaß. Zur Erhöhung der Übersichtlichkeit trägt dies aber nur bedingt bei, da nur sechs Bücher pro Bildschirmseite angezeigt werden. Eine Einstellung um die Covergröße zu ändern, ist leider nicht vorhanden. Man kann nur zwischen der Coveransicht und der bereits bekannten Textansicht wählen. Wenn man einige Bücher auf dem Kindle hat dauert es dann eine Weile bis man sich durch die ganzen Seiten durchgeblättert hat. Zum Glück gibt es aber eine Suchfunktion mit der man nach Autor und Titel eines Buches suchen kann.

Bei der Erstellung von Sammlungen ist das Konzept von Amazon leider nicht verbessert worden, denn diese schwirren zwischen den Büchern herum oder kleben auf den ersten Bildschirmseiten, je nachdem welche Sortierung man gewählt hat.

Man merkt sehr deutlich, dass hier zwar eine neue Ansicht eingebaut wurde, doch das Konzept der Bedienung wurde fast überhaupt nicht aktualisiert. Es wirkt alles etwas lieblos und ein wenig dahingeschludert. Hier wünscht man sich, dass Amazon demnächst das Bedienungskonzept in der Navigation komplett neu durchdenkt und von Grund auf neu entwickelt.

Innerhalb eines Buches gibt es die bereits vom Touch bekannten Möglichkeiten zu navigieren. Ein breiter Bereich auf der rechten Seite dient zum Vorwärtsblättern, ein schmalerer linker Bereich zum Zurückblättern. Oben gibt es ein schmales Feld mit dem verschiedene Optionen, darunter auch die Einstellung für die Helligkeit der Beleuchtung und das Inhaltsverzeichnis, einblenden kann. Dabei ist offenbar die Möglichkeit entfallen, mit einem Wisch nach rechts oder links zum nächsten bzw. vorigen Kapitelanfang zu gelangen, die beim Touch noch vorhanden war . Egal ob man tippt oder wischt, es wird immer als Seitenblättern interpretiert.

Während die Geschwindigkeit innerhalb eines Buches flott und angenehm ist, kann man die Navigation innerhalb der Hauptnavigation nur als zäh bezeichnen. Sehr oft muss man sich fragen, ob der Paperwhite den Fingertipp erkannt hat oder nicht, so dass man dann doch oft einmal zuviel tippt und sich wundert wohin man gelangt ist.

Wenn man moderne Smartphones oder Tablets gewohnt ist, ist die Bedienung des Paperwhite fast ohne jegliches Neulernen möglich. Es darf wie gewohnt getippt, gewischt, mit zwei Fingern gezoomt und gedrückt werden. Man kann alle bereits von anderen Geräten bekannten Touchgesten ausprobieren und schauen was passiert, meistens genau das, was man erwartet. Prinzipbedingt, und an einigen Stellen wohl auch softwarebedingt, darf man aber nicht die butterweiche Reaktion eines Tablets oder Smartphones erwarten. Meditative Gelassenheit und Ruhe ist eher angesagt, was ja auch eher zum gemütlichen Lesen passt ;-).

Fazit

Dieser Bericht konnte natürlich nur einige erste Eindrücke wiedergeben und nicht alle Bedienungsdetails ansprechen. Insgesamt kann man sagen, dass der Paperwhite sehr gut gelungen ist und auf jeden Fall sein Geld wert ist. Wenn man häufiger im Dunkeln oder Halbdunkeln lesen möchte und sich gelegentlich schon geärgert hat, dass das Umgebungslicht nicht ausreicht, um entspannt zu lesen, ist der Paperwhite auf jeden Fall eine lohnenswerte Anschaffung. Aber auch sonst macht es mit ihm Spaß zu lesen. Wir sind aber auch gespannt, wie sich die gleich teuren Geräte von Kobo, der Kobo Glo, und Thalia, der Bookeen Frontlight HD, schlagen werden, die wir in nächster Zeit ebenfalls in einem Testbericht vorstellen wollen.

Natürlich soll auch nicht verschwiegen werden, dass man mit einem Kindle ein bisschen im Einkaufsuniversum von Amazon gefangen ist, wenn man keine Lust hat, sich näher mit den unterschiedlichen E-Book-Formaten und Kopierschutzmechanismen rumzuplagen. Ansonsten kann man nicht kopiergeschützte E-Books im EPUB-Format, das von allen anderen E-Readern und E-Book-Anbietern am Markt verwendet wird, mit Hilfe der sehr guten kostenlos verfügbaren Open-Source-Software Calibre für alle Kindle-Geräte konvertieren. Einfach den Kindle mit dem USB-Kabel an den Computer stöpseln, Calibre öffnen und die im Calibre vorhandenen E-Books auf das Gerät kopieren. Calibre erkennt den Kindle und konvertiert vor dem Kopieren das E-Book in das passende Format.

Übrigens bietet mach-mir-ein-ebook.de seine Neuauflagen von gemeinfreien Büchern ohne Kopierschutz, so dass die Bücher auch zukünftig ohne Probleme mit anderen Geräten lesbar bleiben.