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Test: Kindle Paperwhite

Zwei Tage vor dem angekündigten Erscheinungstermin am 22. November kam der neue Kindle Paperwhite von Amazon bei uns an. Über unsere ersten Eindrücke vom neuen Kindle wollen wir in diesem Beitrag, der zugleich der erste Beitrag in diesem Blog ist, berichten.

Werbebild des Paperwhite von Amazon.

Lieferung

Wie auch die anderen Kindles wird der Paperwhite in einer einfachen Pappschachtel geliefert, die speziell auf das Gerät abgestimmt ist und den Kindle für den Transport ausreichend schützt. Mitgeliefert wird USB-Kabel für den Anschluss an einen Computer und zum Aufladen, sowie zwei dünnen Heftchen, die aber nur eine einfache Anleitung zum Aufladen und die Garantiebestimmungen enthalten.

Möchte man den Kindle unabhängig von einem Computer aufladen, bedarf es noch eines zusätzlichen Adapters, der gesondert käuflich erworben werden muss.

Der Paperwhite zeigt im Auslieferungszustand ein Bild an, das darauf hinweist, wie man das Gerät anschaltet. Nach dem Anschalten und dem Hochfahren des Gerätes werden, ähnlich wie auch bei den Vorgängermodellen, erstmal die notwendigen Daten für das WLAN abgefragt. Daran anschließend wird ein kurzes Lernprogramm durchlaufen, das leider nicht abgebrochen werden kann.

Auf dem Gerät selbst befindet sich eine Bedienungsanleitung, die alle notwendigen Informationen enthält, die aber auch bei Amazon als PDF heruntergeladen werden kann.

Nach dem Auspacken hält man ein Gerät in der Hand, dass sicherlich keinen Designpreis gewinnen wird, aber mit seiner schwarzen Farbe und dem schlichteren Aussehen doch wesentlich schicker daherkommt, als seine Vorgänger. Der Paperwhite hat eine Höhe von 169mm und eine Breite von 117mm und ist damit unwesentlich größer als der Kindle 4. Mit einer Dicke von 9,1mm ist er ein klein wenig dicker als der Kindle 4, aber 1mm dünner als der Kindle Touch.

Mit einem Gewicht von 213g ist der Paperwhite genauso schwer wie der Kindle Touch und problemlos auch über längere Zeit zu halten, ohne dass einem Hände oder Arme lahm werden. Er liegt gut in der Hand, ohne dass man Angst haben muss, dass einem das Gerät aus den Fingern flutscht, weil diese vielleicht nass oder klamm sind. Dazu tragen auch die rutschfeste Rückseite und die etwas verbreiterten Ränder bei.

Technik

Die wichtigste Neuerung beim Paperwhite ist natürlich die Hintergrundbeleuchtung. Neben der praktischen Möglichkeit, damit auch im Dunkeln zu lesen, wird zugleich auch der Kontrast erhöht, so dass der Hintergrund bei normaler Beleuchtung nicht mehr dreckig-grau, sondern fast weiß ist, wie es der Name verspricht. Die Helligkeit ist in 24 Stufen verstellbar und das ist auch notwendig, denn im Dunkeln sind die hellsten Stufen für die Augen eher unangenehm. Hier empfiehlt sich eher eine mittlere Helligkeitsstufe.

Die Helligkeitsverteilung ist fast makellos, außer am unteren Ende, wo sich die vier LEDs befinden. Hier ist die Verteilung etwas ungleichmäßig, was jedoch beim Lesen kaum stört. Ein gewisser Wow-Effekt nach dem Einschalten war auf jeden Fall vorhanden. Es ist schon verblüffend, mit wie wenigen LEDs diese gleichmäßige Ausleuchtung erreicht werden konnte. Die bisherigen Lösungen für den Touch und den Kindle 4 mit in Schutzhüllen eingebauten Lampen, kann man im Vergleich hierzu getrost als Notbehelf bezeichnen.

Die LEDs im Rand des Paperwhite, die für die Beleuchtung sorgen, sind gut erkennbar.

Die zweite wichtige Verbesserung ist die Erhöhung der Auflösung des Displays. Der Paperwhite hat im Vergleich zum Kindle 4 und zum Touch, die jeweils 800 x 600 Pixel haben, eine Auflösung von 1024 x 758 Pixeln. Schriften werden damit schärfer dargestellt und besser lesbar, Bilder zeigen mehr Details und bei gleicher Schriftgröße werden im Vergleich mit dem Kindle 4 und dem Kindle Touch ein paar Zeilen mehr auf dem Bildschirm dargestellt.

Die gleiche Seite aus „Reisebericht aus Ägypten“ von Heinrich Brugsch, links auf dem Kindle Paperwhite, rechts auf dem Kindle 4. Deutlich erkennbar die bessere Darstellung von Details und Verläufen im Bild beim Paperwhite.

Nach dem Touch ist der Paperwhite nun das zweite Gerät von Amazon, das mit einer Touch-Bedienung daher kommt. Allerdings beruht diese nicht mehr auf Infrarottechnik, stattdessen wird die gleiche Technik wie in modernen Smartphones bzw. Tablets verwendet. Dadurch konnte der Rand rund um das Display wieder auf ca. 1mm verringert werden.

Laut Amazon soll der Akku trotz Beleuchtung ähnlich lange halten wie seine Vorgänger, was natürlich auf Grund der Kürze der Zeit nicht überprüft werden konnte. Doch nach einigen Stunden des Lesens und Herumspielens mit dem Paperwhite ist die Füllstandsanzeige des Akku tatsächlich nur geringfügig zurückgegangen.

Bedienung

Wenn man den Paperwhite nach dem Auspacken ein paar Minuten liegen lässt ohne ihn zu bedienen, beginnt das Gerät ein aktuelles Update der Software herunterzuladen und zu installieren. Diese Version trägt die Nummer 5.3.0. Alle weiteren Informationen beziehen sich deshalb auf diese Version. Die Änderungen zur ursprünglich installierten Version kann man bei Amazon nachlesen. Die für den Anfang wichtigste Änderung dürfte vermutlich die Möglichkeit sein, die Empfehlungen von Amazon auf dem Homescreen abzuschalten.

Womit wir auch bei der wichtigsten Änderung bei der Bedienung im Vergleich zu den Vorgängermodellen wären. Alle Übersichtsseiten zeigen nun wahlweise die Coverbilder der auf dem Paperwhite gespeicherten Bücher an und nicht mehr nur dröge Textlisten.

Das ist natürlich etwas schicker und erhöht den Spaß. Zur Erhöhung der Übersichtlichkeit trägt dies aber nur bedingt bei, da nur sechs Bücher pro Bildschirmseite angezeigt werden. Eine Einstellung um die Covergröße zu ändern, ist leider nicht vorhanden. Man kann nur zwischen der Coveransicht und der bereits bekannten Textansicht wählen. Wenn man einige Bücher auf dem Kindle hat dauert es dann eine Weile bis man sich durch die ganzen Seiten durchgeblättert hat. Zum Glück gibt es aber eine Suchfunktion mit der man nach Autor und Titel eines Buches suchen kann.

Bei der Erstellung von Sammlungen ist das Konzept von Amazon leider nicht verbessert worden, denn diese schwirren zwischen den Büchern herum oder kleben auf den ersten Bildschirmseiten, je nachdem welche Sortierung man gewählt hat.

Man merkt sehr deutlich, dass hier zwar eine neue Ansicht eingebaut wurde, doch das Konzept der Bedienung wurde fast überhaupt nicht aktualisiert. Es wirkt alles etwas lieblos und ein wenig dahingeschludert. Hier wünscht man sich, dass Amazon demnächst das Bedienungskonzept in der Navigation komplett neu durchdenkt und von Grund auf neu entwickelt.

Innerhalb eines Buches gibt es die bereits vom Touch bekannten Möglichkeiten zu navigieren. Ein breiter Bereich auf der rechten Seite dient zum Vorwärtsblättern, ein schmalerer linker Bereich zum Zurückblättern. Oben gibt es ein schmales Feld mit dem verschiedene Optionen, darunter auch die Einstellung für die Helligkeit der Beleuchtung und das Inhaltsverzeichnis, einblenden kann. Dabei ist offenbar die Möglichkeit entfallen, mit einem Wisch nach rechts oder links zum nächsten bzw. vorigen Kapitelanfang zu gelangen, die beim Touch noch vorhanden war . Egal ob man tippt oder wischt, es wird immer als Seitenblättern interpretiert.

Während die Geschwindigkeit innerhalb eines Buches flott und angenehm ist, kann man die Navigation innerhalb der Hauptnavigation nur als zäh bezeichnen. Sehr oft muss man sich fragen, ob der Paperwhite den Fingertipp erkannt hat oder nicht, so dass man dann doch oft einmal zuviel tippt und sich wundert wohin man gelangt ist.

Wenn man moderne Smartphones oder Tablets gewohnt ist, ist die Bedienung des Paperwhite fast ohne jegliches Neulernen möglich. Es darf wie gewohnt getippt, gewischt, mit zwei Fingern gezoomt und gedrückt werden. Man kann alle bereits von anderen Geräten bekannten Touchgesten ausprobieren und schauen was passiert, meistens genau das, was man erwartet. Prinzipbedingt, und an einigen Stellen wohl auch softwarebedingt, darf man aber nicht die butterweiche Reaktion eines Tablets oder Smartphones erwarten. Meditative Gelassenheit und Ruhe ist eher angesagt, was ja auch eher zum gemütlichen Lesen passt ;-).

Fazit

Dieser Bericht konnte natürlich nur einige erste Eindrücke wiedergeben und nicht alle Bedienungsdetails ansprechen. Insgesamt kann man sagen, dass der Paperwhite sehr gut gelungen ist und auf jeden Fall sein Geld wert ist. Wenn man häufiger im Dunkeln oder Halbdunkeln lesen möchte und sich gelegentlich schon geärgert hat, dass das Umgebungslicht nicht ausreicht, um entspannt zu lesen, ist der Paperwhite auf jeden Fall eine lohnenswerte Anschaffung. Aber auch sonst macht es mit ihm Spaß zu lesen. Wir sind aber auch gespannt, wie sich die gleich teuren Geräte von Kobo, der Kobo Glo, und Thalia, der Bookeen Frontlight HD, schlagen werden, die wir in nächster Zeit ebenfalls in einem Testbericht vorstellen wollen.

Natürlich soll auch nicht verschwiegen werden, dass man mit einem Kindle ein bisschen im Einkaufsuniversum von Amazon gefangen ist, wenn man keine Lust hat, sich näher mit den unterschiedlichen E-Book-Formaten und Kopierschutzmechanismen rumzuplagen. Ansonsten kann man nicht kopiergeschützte E-Books im EPUB-Format, das von allen anderen E-Readern und E-Book-Anbietern am Markt verwendet wird, mit Hilfe der sehr guten kostenlos verfügbaren Open-Source-Software Calibre für alle Kindle-Geräte konvertieren. Einfach den Kindle mit dem USB-Kabel an den Computer stöpseln, Calibre öffnen und die im Calibre vorhandenen E-Books auf das Gerät kopieren. Calibre erkennt den Kindle und konvertiert vor dem Kopieren das E-Book in das passende Format.

Übrigens bietet mach-mir-ein-ebook.de seine Neuauflagen von gemeinfreien Büchern ohne Kopierschutz, so dass die Bücher auch zukünftig ohne Probleme mit anderen Geräten lesbar bleiben.